terie, amour-goût [fr], wie sie in den Salons des alten Frankreichs
zu schönster Blüte gedieh. Wir begreifen am besten, was diese
Liebe bedeutete, wenn wir uns des Wortes einer alten Marquise
erinnern, die einem gealterten Liebhaber, der darüber klagte,
dass er sie umsonst verehrt habe, lachend entgegnete: „Eh mon
dieu, pourquoi ne me l’avez-vous pas dit? Vous m’auriez eue
comme tous les autres!“ [fr] Stendhal selbst sagt: „Die Liebe als
Galanterie, als amour-goût [fr], die in Paris gegen 1760 herrschte,
glich einem Bilde, auf dem Alles, bis in die Schatten hinein,
rosenfarbig sein muss, in das unter keiner Bedingung etwas
Unangenehmes geraten darf, wenn der Vorwurf vermieden
werden soll, dass etwas gegen den guten Ton, die Delikatesse
etc. geschieht. Ein wohlgeborener Mann kennt zum Voraus
Alles, was er Tun✎Thun muss und was ihm in den verschiedenen
Zuständen dieser Liebe begegnen wird. Da es hier keine Leiden
-
schaft und nichts Unvorhergesehenes gibt✎giebt, so zeigt er meistens
mehr Zartheit als wirkliche Liebe, zumal er immer sehr viel
Geist besitzt; im Vergleich zu einem Gemälde Correggio’s ist
diese Liebe eine kalte, hübsche Miniatur, und während die
Leidenschaft uns über all unsere Interessen hinaushebt, versteht
es die Galanterie immer, darauf Rücksicht zu nehmen.“ (De
l’amour, p. 1. [fr]) In dieser herbstlichen Welt ist die Liebe, um
das Wort des bitteren Chamfort zu gebrauchen, le contact de
deux épidermes et l’échange de deux fantaisies. [fr]
Die beiden weiteren Arten der Liebe sind: l’amour physique [fr]
und die Liebe aus Eitelkeit. Stendhal verachtete diese Eitel
-
keitsliebe, die er nur in Frankreich fand, — er spottete: „Pour
un bourgeois une duchesse n’a toujours que trente ans“ [fr] —
während er dem leichten Genusse sonst durchaus nicht aus dem
Wege ging; l’amour de vanité [fr] braucht Zuschauer, wie die
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Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 16.06.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 82 Seiten mit Umschlägen, davon einer färbig (vorderer Umschlag recto)
Drucktype: Antiqua
Papiersorte: Werkdruckpapier
Papiergröße: DIN A5 Format (148 mm × 210 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, teilweise fleckig
Einband: Gemeinsam mit den Heften 1, 3, 4, 5 und 6 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt