Die Schönheits- und Hässlichkeits-Urteile sind kurzsichtig
(— sie haben immer den Verstand gegen sich —): aber im höchsten
Grade überredend; sie appellieren an unsre Instinkte, dort, wo sie
am schnellsten sich entscheiden und ihr Ja und Nein sagen, bevor noch
der Verstand zu Worte kommt ...
Die gewohntesten Schönheits-Bejahungen regen sich gegenseitig auf
und an; wo der ästhetische Trieb einmal in Arbeit ist, krystallisiert
sich um „das einzelne Schöne“ noch eine ganze Fülle anderer und anders
woherstammender Vollkommenheiten. Es ist nicht möglich, objektiv
zu bleiben, resp. die interpretierende, hinzugebende, ausfüllende, dichtende
Kraft auszuhängen (— letztere ist jene Verkettung der Schönheits
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Bejahungen selber). Der Anblick eines „schönen Weibes“ ...
Also: 1. das Schönheits-Urteil ist kurzsichtig, es sieht nur die nächsten
Folgen;
2. es überhäuft den Gegenstand, der es erregt, mit einem Zauber,
der durch die Association verschiedener Schönheits-Urteile bedingt ist, —
der aber dem Wesen jenes Gegenstandes ganz fremd ist.
Ein Ding als schön empfinden heisst: es notwendig falsch empfinden ...
(— weshalb, beiläufig gesagt, die Liebesheirat die gesellschaftlich un
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vernünftigste Art der Heirat ist) ...
ALLE Kunst wirkt als Suggestion auf die Muskeln und Sinne, welche
ursprünglich beim naiven künstlerischen Menschen thätig sind: sie
redet immer nur zu Künstlern, — sie redet zu dieser Art von feiner Be
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weglichkeit des Leibes. Der Begriff „Laie“ ist ein Fehlgriff. Der Taube
ist keine Species des Guthörigen.
Alle Kunst wirkt tonisch, mehrt die Kraft, entzündet die Lust (d. h.
das Gefühl der Kraft), regt alle die feinen Erinnerungen des Rausches
an, — es gibt✎giebt ein eignes Gedächtnis, das in solche Zustände hinunter
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kommt: eine ferne und flüchtige Welt von Sensationen kehrt da zurück ...
Das Hässliche, d. h. der Widerspruch zur Kunst, das, was ausgeschlossen
wird von der Kunst, ihr Nein, — jedesmal, wenn der Niedergang, die
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Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 11.06.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 138 Seiten mit färbigen Umschlägen und Vorsatzstreifen
Drucktype: Antiqua
Papiersorte: Büttenpapier
Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt, teilweise fleckig
Einband: Gemeinsam mit den Heften 10 und 11 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt