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Die Insel
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Metadaten
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und steht allein. Aber es gibt✎giebt in Berlin bessere, in München noch mehr —
es gibt✎giebt Böcklins, die bleiben werden, so lange eine Scholle Erde deutsch
genannt wird — in keinem steckt so viel Malerei wie in den Strümpfen
der Dachauerinnen. Man ist nicht so Idiot, nicht bei Böcklin die mass -
los grossartige Natur zu sehen, die riesige Seele. Hätte er das nicht gehabt,
wäre seine Phantasie nicht so fauststark gewesen, so würde ihn nichts vor
der Zukunft retten. Er sprach sich aus und hatte was zu sagen.

Aber wir Deutschen haben alle so klotzig viel Seele und Phantasie —
woran es fehlt, sind solche Strümpfe. ..

Vieles in unserer Litteratur wird dadurch erklärt, vieles Geschmacklose
in unserem Dehmel, manche Inkonsequenz in Bierbaum, manches Ein -
seitige in den entgegengesetzten Temperamenten, zumal in den Jüngsten.
Gerade an deren Opposition merkt man es. Der Nachwuchs hielt sich
so sehr zwischen zwei Extremen, dass er vor lauter principieller Ab -
neigung gegen jedes Extrem zu etwas ganz anderen greift, in der Poesie
wie der bildenden Kunst zum Archaismus. Die Angst vor der Brunst
dieses Deutschtums treibt sie zum Klassizismus. Dieser Anstand ist ver -
ehrungswürdig. Wenn er nur nicht auch wieder nur Reaktion bleibt!
— Wohl, auch das ist Bewegung, es kommt bei allem etwas heraus.
Scheerbart würde dazu eine brilliante Parallele in komplicierten Gestirns -
zuckungen finden. Bei allem Hin und Her geht die Kultur doch vor -
wärts. Nur — welche Umwege!

Böcklin ist der deutschen Kultur eine bedenkliche Klippe. Käme es
bei seiner Schätzung lediglich auf seinen ästhetischen Nutzen an, so würde
er kaum zählen. Denn vermutlich hätte die romantische Seele des Deutschen
auch ohne ihn den Naturalismus besiegt. Dass es mit seiner Hilfe so
schnell ging, ist ein zweifelhaftes Prestige. Es hätte nicht geschadet,
wenn man sich erst ein wenig bei den bewussten Strümpfen aufgehalten
hätte, bevor man lernte dekorative Malerei zu phantasieren und schliess -
lich in diesem Geiste anfing, Tapeten, Verglasungen und Möbel zu machen.
— Das bisschen Gute, was die angewandte Moderne bisher in Deutsch -
land fertig gebracht hat, ist von Böcklin unberührt.

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Metadaten – Jg. II, Heft 6
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Digitalisierung

Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv

Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern

Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)

Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi

Aufnahmedatum: 20.05.2026

Bildaufnahme: Mehmet Emir

Bildbearbeitung: Felix Granadia

Textträger
Signatur(en)

Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)

Objektbeschreibung

Umfang: 124 Seiten mit färbigen Umschlägen und Vorsatzstreifen

Drucktype: Antiqua

Papiersorte: Büttenpapier

Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)

Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt

Einband: Gemeinsam mit den Heften 4 und 5 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt

Copyright OEAW | Impressum/Imprint