Puvis, so entfernt auch die beiden von einander liegen; hier sprechen
sich verschiedene Temperamente aus, nicht verschiedene Kulturen. Aber
Manet und Böcklin gleichzeitig zu lieben, dazu gehört das weite Herz
des Berliner Bildungsphilisters; es macht auf mich immer den Eindruck
kranker Gefrässigkeit. Zu Böcklin wird immer der echte deutsche Dichter
entbrennen, ehrlich und blödsinnig. Der findet in nachdenklichen Stunden
Manet „technisch“, was schon einen bedenklichen Grad von Verachtung
bei ihm ausdrückt, — von Leibl gar nicht zu reden.
Es wird noch lange eine echte und grosse Trauer in deutschen Landen
sein in den Herzen dieser warmherzigen Dichter, von denen so mancher
die Woche über hinter dem Hauptbuch sitzt. Wenige, blutwenige werden
an Leibl zurückdenken. In London, Paris, in Amerika und Berlin wird
der glückliche Grosshändler, der einen von den paar Leibls besitzt, noch
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mal 50% draufschlagen — Raritäten, Raritäten! das ist das Melancho
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lische. Wozu hat Leibl gelebt? für das Halbdutzend kühler feiner Kerle
und für die sogenannte Unsterblichkeit. Böcklin ist besser dran. Aus
den Ochsen, die mit gespitzten Hörnern seine schillernde Leinwand be
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drohten, sind wollüstig wedelnde Lämmer geworden. Ich muss immer
an seine Susanne im Bade denken; wie die triefende Hand des einen der
alten Herren, der dem fetten Badematz, ohne ihn zu berühren, über den
Rücken streicht — so erscheint mir ein nicht geringer Teil der bekehrten
Böcklinverehrung: hingeschmolzen.
Nun, das wird vergehen, wie der Schnee schmilzt. Wie lange er Schule
behält, das ist die Frage. Man muss den Mut haben, von ihr dasselbe zu
wünschen. Denn es ist bedenklich, dass man in einer Zeit, die so emi
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nent tüchtig ist, wie in Leibl, so fabelhaft modern im Geschmack, wie in
den neueren Franzosen, so sehr Grazie und Distinktion, wie in Whistler,
sich so plumper Malmittel bedient, wie Böcklin. — In der Berliner
Nationalgalerie sind die zwei deutschen Seelen in denkbar krassesten Kon
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trasten an den Wänden befestigt. Freilich ist der Leibl, „die beiden
Bäuerinnen“, eins der besten und Böcklins „Trauer am Grabe“ mit der roten
Draperie eines der schlechtesten, ja dieses Rot ist himmelschreiend scheusslich
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Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 20.05.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 124 Seiten mit färbigen Umschlägen und Vorsatzstreifen
Drucktype: Antiqua
Papiersorte: Büttenpapier
Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt
Einband: Gemeinsam mit den Heften 4 und 5 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt