französisch. Jedenfalls war es nichts weniger als das Französische, was
Leibl an Courbet reizte, er schöpfte aus ihm nur moralische Anregung,
Courage, holte sich selbst dabei heraus und festigte sich mit jeder neuen
Bewegung. Nicht so frech, nicht so selbstherrlich wie Courbet, aber
mindestens ebenso sicher. Tief in ihm, so tief, dass nichts ihm nahen
konnte, steckte das Erbe Holbeins.
Eine andere Leiblgeschichte Böcklins ist die, als er Courbet und Leibl in
der Kneipe in München beisammen fand. Sie sassen sich gegenüber,
starrten sich an, redeten kein Wort und tranken nachdenklich und ent
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schieden. Nur zuweilen gab Leibl das einzige Wort, das er in franzö
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sischer Sprache beherrschte, begeistert von sich: La Nature! [fr]
Courbet nickte dann ernsthaft, worauf beide wieder tranken. Ihr Durst
grenzte an das Fabelhafte.
Das Pikante an der tiefen Geschichte ist, dass sie von Böcklin erzählt
wurde. Ein ganz klein wenig Spott war wohl dabei. Vermutlich wusste
auch Leibl von Böcklin einige Geschichten, an denen ein ganz klein
wenig Spott war.
Prachtvolle Menschen, die sich in solcher Lage wie diese beiden mit nur
ein wenig Spott behelfen. Ist die Zeit stark oder schwach, in der auf
derselben Scholle zwei Extreme von dieser Güte zu leben vermögen? Ist
es Schlaffheit, dass ihr Wille sich so nachdrücklich widerspricht. Oder
ist das alles nur der Reichtum einer tieferen Einheit?
Jedenfalls ist die Fülle beunruhigend; man vermisst das deutliche Zeichen
ihres Ursprungs. Wenn diese beiden grossen Leute wirklich deutsch sind,
was ist dann das Deutsche? Welcher Art ist die Kultur, die so ver
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schiedene Gesichter hervorbringt? — Ist es überhaupt noch Kultur?
Die Ueberlebenden haben den Eindruck, als hätte unser liebes Vaterland
ästhetisch die Rolle gespielt, wie politisch in dem dreissigjährigen Krieg.
Fremde Elemente haben sich bei uns bekämpft mit wechselvollen Ge
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schicken, Italiener und Vlamen, die uralten Kontraste, Franzosen und Eng
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länder und Belgier. Das Deutschtum hat dabei vielleicht gewonnen.
Aber die deutsche Kultur? Wer Manet liebt, findet leicht den Weg zu
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Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 20.05.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 124 Seiten mit färbigen Umschlägen und Vorsatzstreifen
Drucktype: Antiqua
Papiersorte: Büttenpapier
Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt
Einband: Gemeinsam mit den Heften 4 und 5 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt