deshalb keinen grossen Kritiker brauchten, so spricht man ein sehr bedenk
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liches, ja kunstfeindliches Axiom aus. Denn gerade darum, weil der
Deutsche eine grössere Neigung zum Kritisieren, als zum Geniessen hat,
bedarf er kritischer Autoritäten, die seiner Kritik ein festes Gerüst klarer
Kunstgesetze geben, an denen seine Neigung, zu verneinen, ihre Grenze
findet, und die ihn lehren, dass die Kritik nicht nur dazu da ist, vom
Genusse des Schlechten abzuhalten, sondern auch zum Genusse des Guten
hinzuleiten. ⚘metam: @r:flower @f:decoration @n:1 Wo sind diese kritischen Autoritäten? Wo hält sich
unser Lessing verborgen? Warum dulden es unsere ernsthaften, ehrlichen
und mutigen kritischen Begabungen, dass ein Schwarm halbgebildeter,
in Kunstdingen direkt unwissender und zu alledem noch gehässig bos
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hafter und flachfrivoler Leute das kritische Amt höhnisch missbrauchen,
oder dass lederne Schulmeisterseelen, die zur Kunst weniger Beziehungen
haben, als ein Vereinskassierer zur höheren Mathematik, sich erdreisten
dürfen, über poetische Schöpfungen zu Gericht zu sitzen? Fühlen sie
nicht, wie tief die Achtung vor der Kritik in den Kreisen wahrer Kunst
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freunde infolgedessen gesunken ist? Und spüren sie nicht, wie sehr ge
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rade jetzt die Zeit reif geworden ist für kritische Thätigkeit grossen,
reinen Stiles? Es liegt mir ferne zu verkennen, dass sich auch hierin eine
Wendung zum Besseren bereits zeigt, und es stünde gerade uns übel an,
wollten wir nicht mit Genugthuung und Dankbarkeit anerkennen, dass
sich die Stimmen derer mehren, die für reine und gute künstlerische An
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strengungen lebhaft eintreten, aber es muss doch einmal ausgesprochen
werden, dass unter dem Anscheine der Kritik noch immer in erschreck
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lich grossem Umfange ein ruchloser Unfug in Deutschland getrieben wird,
ein Unfug, der als eine vaterländische Schande von jedem bezeichnet
werden muss, der von den kulturellen Pflichten eines grossen Volkes
mehr als einen vagen Begriff hat. ⚘metam: @r:flower @f:decoration @n:1 Es gibt✎giebt noch immer grosse
Zeitungen in Deutschland, die zwar Unsummen für die überflüssigsten
Telegramme ausgeben, ihre politischen Redakteure nach Gebühr reich
besolden, sich aber nicht schämen, die litterarische Kritik von Leuten
ausüben zu lassen, die weniger als minderwertig sind und keinen Begriff
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Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 09.04.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 118 Seiten mit färbigen Umschlägen und Vorsatzstreifen
Drucktype: Antiqua
Papiersorte: Büttenpapier
Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt
Einband: Gemeinsam mit den Heften 1 und 3 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt