tum beobachten können. Der ruhige Betrachter unseres litterarischen
Lebens wird uns, so denken wir, darin recht geben, auch dann wohl,
wenn er den Leistungen selber noch kritischer gegenübersteht als wir.
Das gegenwärtige Deutschland besitzt in der Tat✎That auf allen Gebieten der
Poesie eine Reihe von Begabungen, denen der unvoreingenommene Be
-
urteiler es nicht absprechen kann, dass sie im Geiste eines wirklich
künstlerischen Schrifttums mit guten Kräften und reinen Absichten thätig
sind. Vor allem hat der ästhetische Geschmack unter den Schaffenden
eine Steigerung erfahren, die zu den besten Hoffnungen berechtigt, selbst
wenn man sich der Beobachtung nicht verschliesst, dass diese formale
Feinfühligkeit allbereits in einen schwachmütigen Hyperästhetismus aus
-
zuarten droht, und dass gerade einzelne unserer feinsten Künstler des
Wortes nahe an der Grenze sind, wo die Poesie aufhört und die Spielerei
beginnt. ⚘metam: @r:flower @f:decoration @n:1 Es fragt sich nun, ob wir neben diesen schaffenden Talenten
auch genug kritische besitzen, die fähig sind, zwischen jenen und dem Publi
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kum vermittelnd zu wirken und mit Urteilen von Ernst, Sachkenntnis
und Gewicht Einfluss auf die Entwicklung des künstlerischen Schrift
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tums zu nehmen. Das Selbstbewusstsein der Schaffenden ist allzugern
geneigt, die Thätigkeit der Kritik überhaupt zu unterschätzen; Lob wird
als schuldige Huldigung hingenommen, Tadel als Anmassung empfunden
und Lob wie Tadel eigentlich für überflüssig erachtet. Der reifere Geist
wird nicht so denken. Er weiss, dass zu einem wirklichen litterarischen
Leben die Kritik ebenso gehört, wie die Produktion, und dass wirkliche
Kritik selber eine produktive Kunst ist, insofern, als sie das schafft und
bildet, was bestimmt ist, Kunstwerke rein aufzunehmen: ein künstlerisches
Publikum. ⚘metam: @r:flower @f:decoration @n:1 Besitzen wir in Deutschland eine solche Kritik als Gan
-
zes? Dürfen wir uns rühmen, nicht als Ausnahmserscheinungen, sondern
gewissermassen als Grundstock des künstlerischen Gewissens der Nation
eine dem vielfältigen Schaffen entsprechende Anzahl von Kritikern zu
haben, die mehr sind, als gleichgültige Referenten, mehr aber auch als
einseitige Temperamente? ⚘metam: @r:flower @f:decoration @n:1 Man sagt: Jeder Deutsche, der lesen
kann, ist sein eigener Kritiker. Will man damit sagen, dass die Deutschen
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Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 09.04.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 118 Seiten mit färbigen Umschlägen und Vorsatzstreifen
Drucktype: Antiqua
Papiersorte: Büttenpapier
Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt
Einband: Gemeinsam mit den Heften 1 und 3 in einem eigens für die Insel angefertigen, färbigen Schuber aufbewahrt