gut wie nichts. Ein zeitgenössisches Zeugnis im Anfang der
Visionen spricht von ihr als sequens perfecte vestigia fratrum
ordinis praedicatorum [la]. Danach war sie eine Schwester des
Predigerordens; und sie schrieb im Jahre 1250. Sie selbst
nennt sich öfters eine Begine, welches Wort damals noch
eine allgemeine Bedeutung hatte, etwa die einer Frau, die
sich in den Schutz eines Klosters begab, doch nicht durchaus
in deren Regel. Als Mechthilds Kloster vermutet man das
von S. Agnes bei Magdeburg. Nach der Mundart ihrer
Gedichte war sie eine Schweizerin.
„Vor dreißig Jahren, da ich zu schreiben anfangen mußte“
sagt Mechthild im 7. Buche ihrer Visionen. So ist es
aus ihrem ganzen Leben, wie ein Tagebuch, das sie zu
schreiben begann, als sie ins Kloster ging. Und dieses gewiß
nicht zu jung, als daß sie sich nicht mit der Liebe und dem
Leben vertraut hätte, da sie noch in der Welt war. Die ersten
Bücher ihrer Visionen sind voll des Parfüms der irdischen
Liebesgärten. Das Leben ist noch laut und mächtig in ihr,
denn die gottseligen Visionen haben alle Sinnlichkeit eines
liebeskräftigen Weibes. Es ist ein Umhalsen und Küssen des
Herrn mit roten Lippen und haltenden Armen. Die Phan
=
tasie ist voll Erinnerungen des Lebens, das sie gerade verlassen
hatte. Später — im 4. Buche — denkt Mechthild an
diese Zeit:
- Da ich zum geistlichen Leben kam
- und von der Welt den Abschied nahm —
- da that ich meinen Leib besahn,
- der war wohl gegen meine Seele angethan
Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv
Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern
Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)
Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi
Aufnahmedatum: 07.04.2026
Bildaufnahme: Mehmet Emir
Bildbearbeitung: Felix Granadia
Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)
Umfang: 104 Seiten mit färbigen Umschlägen inkl. aufgeklebtem Titeletikett und Vorsatzstreifen
Drucktype: Fraktur
Papiersorte: Büttenpapier mit Prägung Insel-Signet
Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)
Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt
Einband: Einzelheft lose