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Die Insel
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Metadaten
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das man empfindet, wenn man nach einer Gesellschaft unter Leuten,
die sich interessanter geben wollen als sie sind, und denen man trotz
der besten gesellschaftlichen Absichten weder im Scherz noch im Ernst
näher zu kommen vermag, einen alten erprobten Freund trifft, einen
fertigen ganzen Mann, der es nicht nötig hat, sich anders zu geben,
als wie er ist. Es ist vielleicht wahr, daß Liliencron im eigentlichen
Sinne gar kein Lyriker ist, daß ihm nur ganz selten ein echtes Lied
gelingt, daß er fast immer erzählt, schildert, malt, während es das
Wesen der reinen Lyrik ist, ganz einfach Gefühle zu offenbaren. Je
älter Liliencron wird (wirklich alt werden kann er bekanntlich nicht)
um so treffender erscheint vielleicht diese Bemerkung. Unter den
neuen Gedichten, die den Jnhalt des eben erschienenen 9. Bandes
seiner sämtlichen Werke ausmachen (Nebel und Sonne, der ge =
sammelten Gedichte 3. Band, zweite und vermehrte Auflage der
neuen Gedichte, verlegt bei Schuster und Löffler, Berlin und Leipzig
1900), findet sich kaum ein einziges Lied rein lyrischer Art; die meisten
neuen Gedichte sind irgendwie epischer Natur oder Schildereien teils
realistischen, teils phantastischen Jnhalts. Das Bild, das wir von
der Persönlichkeit Liliencrons gewonnen haben, wird kaum durch
irgend einen Zug vermehrt, aber es fehlt auch keiner der Züge, die uns
diesen Dichter lieb und wert machen. Daß wir es bei Liliencron
mit einer unverstellten Persönlichkeit zu thun haben, macht den stets
frisch wirkenden Reiz seiner Bücher aus. Wir besitzen nicht gerade
viele solcher Persönlichkeiten in unserer heutigen Dichtkunst. Be =
gabungen gibt✎giebt es genug, aber es ist unerquicklich anzusehen, wie die
meisten unter ihnen sich gewaltsam verrenken, um interessant zu er =
scheinen, und wie sie dadurch immer weiter von dem abkommen, was
das Höchste in der lyrischen Kunst ist: Klare Einfachheit. Auch mit
krampfhaftem Primitivthun gelangt man nicht dahin und überhaupt

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Metadaten – Jg. I, Heft 9
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Digitalisierung

Gerätetyp: Phase One Mittelformatkamera mit einem Digitalrückteil IQ3/100MP. Digitalisierung mit 80mm Objektiv

Belichtungszeit/Blende: 10MS/6,3 unter Verwendung von Dedo-Lichtern

Dateiformat: Tagged Image File Format (TIFF)

Aufnahme: 600 dpi/Bildspeicherung 300 dpi

Aufnahmedatum: 07.04.2026

Bildaufnahme: Mehmet Emir

Bildbearbeitung: Felix Granadia

Textträger
Signatur(en)

Bibliothek ACDH (Abteilung Literaturwissenschaft und Printkulturforschung)

Objektbeschreibung

Umfang: 138 Seiten mit färbigen Umschlägen inkl. aufgeklebtem Titeletikett und Vorsatzstreifen

Drucktype: Fraktur

Papiersorte: Büttenpapier mit Prägung Insel-Signet

Papiergröße: Oktavformat (180 mm × 250 mm)

Besonderheiten: Vergilbt, Seitenränder mit Unebenheiten durch Dreiseitenbeschnitt

Einband: Einzelheft lose

Copyright OEAW | Impressum/Imprint